Willstätter-Gymnasium Nürnberg

Kerninformationen

Zukunftsthema: NutriVISION – Zukunft der Lebensmittel
Jahrgangsstufen: 8, 9, 10
Beteiligte Fächer: B, C, Ph, Geo

Kontakt

Willstätter-Gymnasium Nürnberg
Innerer Laufer Platz 11
90403 Nürnberg
Telefon: 0911 231 2311
www.willstaetter-gymnasium.de

Beteiligte Projektlehrkräfte

Ulrich Herwanger, Miriam Mehl, Anja Möllenhoff, Jochen Laske, Diethard Grießhammer

Beteiligte Fächer

Thematischer Überblick

Nahrungsmittel und ihre Produktion sind zu einer wichtigen globalen Zukunftsfrage gewor-den. Unsere Kaufentscheidungen und die sich bei uns wandelnden Essgewohnheiten haben Auswirkungen für die ganze Welt. Kulturlandschaften werden sich verändern, eine vorhandene Artenvielfalt wird zugunsten gewinnbringender Monokulturen verloren gehen, immer mehr moderne Agrartechnologien werden zum Einsatz kommen und traditionelle landwirtschaftliche Produktionsweisen ersetzen.

Dabei bleibt eine der grundsätzlichen Zukunftsfragen bestehen:

Wie kann die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung sichergestellt werden, und dies unter den Aspekten eines ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitsgedankens.

Unter dieser Leitfrage erwerben die Schüler die Kompetenz, selbstständig zu recherchieren, zu forschen und zu präsentieren. Über verschiedene didaktischen Ansätze (Schülerforschung, Expertenunterricht, Kreatives Arbeiten,…) werden sie so zu einem differenzierten Urteil und zu selbstständigem Arbeiten herangeführt.

In den Klassen 8 bis 10 fertigen alle Schülerinnen und Schüler in Gruppen pro Schuljahr eine Forschungsarbeit zu einem selbstgewählten Thema aus dem Themenkreis Lebensmittel an. Die Forschungsgruppen werden dabei im Wesentlichen vom jeweiligen Leitfachlehrer betreut, können sich aber jederzeit Hilfestellungen von anderen Fachlehrern geben lassen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten werden sowohl im Klassenrahmen als auch bei einem Schülerkongress am Ende des Schuljahres präsentiert.

In Klasse 8 (Leitfach Physik) erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Wochenstunde Methodenunterricht, in dem sie notwendige Arbeitstechniken zum selbständigen Forschen und Präsentieren erlernen. An selbstgewählten Forschungsthemen werden diese Kompetenzen erstmals angewandt und eingeübt.

In Klasse 9 (Leitfach Chemie) wächst der Grad der Selbständigkeit. In neuen Themen werden die Schüler selbst zu Experten und unterrichten ihre Mitschüler.

In Klasse 10 (Leitfach Geographie) steht inhaltlich die globale Lebensmittelproduktion, organisatorisch die Vernetzung zwischen den Arbeiten der Gruppen im Vordergrund. Zum einen werden die Schülerinnen und Schüler angehalten, sich selbstständig Recherche- und Vortragsthemen zu wählen und als Arbeitsergebnis zu präsentieren, auf der anderen Seite soll an einem Klassenprojekt gearbeitet werden, in das die Recherchearbeit der einzelnen Schülergruppen einfließt und das dann als Abschlussprodukt auf dem Schülerkongress vorgestellt wird.

Materialien

8. Klasse

Wie können Schülerinnen und Schüler zu selbständigem Forschen befähigt werden?
Wie können sie zur ausdauernden und gründlichen Beschäftigung mit einem Thema motiviert werden?
Was nehmen Schülerinnen und Schüler aus der Schule für ihr Arbeitsleben und ihr Leben als Entscheidungsträger mit?

Das waren einige der Ausgangsfragen des NutriVISION-Projekts. Im Mittelpunkt der HoriZONTec-Arbeit in der 8. Klasse steht die Schülerforschungsarbeit. Schülerinnen und Schüler forschen über einen längeren Zeitraum in Kleingruppen zu einem selbstgewählten Zukunftsthema aus dem Lebensmittelbereich. Die Forschungsarbeit findet mit der öffentlichen Präsentation beim Schülerkongress ihren Höhepunkt und Abschluss.

Im Methodenunterricht werden Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit an den Schülerforschungsprojekten gelegt. Er unterstützt und begleitet den ganzen Prozess und entlastet dadurch den Fachunterricht.

Die Besonderheit des Gesamt-Konzeptes liegt darin, dass den Schülerinnen und Schülern hautnah wichtige Prozesse der Erkenntnisgewinnung näher gebracht werden. Außerdem werden bei der Arbeit an den Schülerforschungsarbeiten und bei der Präsentation der Ergebnisse vor großem Publikum kommunikative Kompetenzen „im Ernstfall“ trainiert. Im Geographieunterricht rücken die komplexen Zusammenhänge von der Nahrungsmittelproduktion bis zum Nahrungsmittelkonsum in den Mittelpunkt der thematischen Arbeit.

Modul „Klassenprojekte – Heiße Kiste – Coole Sache“

Initialveranstaltungen im Klassenverband motivieren und inspirieren. Der grundsätzliche Verlauf eines Forschungsprozesses (vgl. auch Dokument „Tipps für die Projektbetreuung“) wird im Klassenverband am Beispiel exemplarisch erarbeitet. Die individuellen Schülerforschungsarbeiten können an Klassenprojekte anknüpfen.
Lebensmittelanbau braucht thermische Energie, Lebensmittellagerung braucht Kühlung. Die „Heiße Kiste“ ist ein Projekt, das ohne großes Vorwissen aus dem Unterricht durchgeführt werden kann. Es führt in das Lehrplanthema Wärmelehre ein und kann dort immer wieder aufgegriffen werden. Die „Cool-Box“ bildet das Ende der Lehrplaneinheit Wärmelehre.
Im Dokument „Beispiele aus den Physikübungen“ werden Beispiele aufgezeigt, wie in „gewöhnlichen“ Schülerübungsstunden gezielt einzelne Fähigkeiten für die eigene Forschungsarbeit geschult werden können.

Modul „Fächerübergreifende Methodenstunde“

Ziel ist die Präsentation einer eigenen Forschungsarbeit aus dem Lebensmittelbereich vor großem Publikum (siehe Dokument „Schülerkongress“). Die dazu notwendigen Kompetenzen werden in einer fest im Stundenplan verankerten Methodenstunde geschult. Die Fachinhalte sind weit gestreut, um das Thema „Lebensmittel“ nicht im Vorfeld „totzureiten“. Grundlegende Vorgehensweisen lassen sich aber auf die Arbeit am selbstgewählten Lebensmittelthema übertragen.

Modul „Forschen an selbstgewählten Lebensmittelthemen“

„Foodsharing“, „In-Vitro-Fleisch“, „Vertical-Farming“, „Verpackungswahn“ oder „Saure Milch“: das ist nur ein Ausschnitt, der im Dokument „Von Schülern selbstgewählte Lebensmittelthemen“ aufgelisteten Beispiele. Hier zeigt sich sowohl die Kreativität der Schülerinnen und Schüler als auch die Präsenz, die das Thema Lebensmittel in ihrem Leben spielt.
Wie wird die Arbeit an den individuellen Projekten vorbereitet? Wie werden geeignete Themen gefunden und eingegrenzt? Welche Betreuungsaufgaben kommen auf die Lehrkraft zu und wie sieht die neue Lehrerrolle dabei aus? Das sind einige der Fragen, die in dem Umfangreichen Dokument „Tipps zur Projektbetreuung“ mit vielen Beispielen erörtert werden.

Modul „Anleitung zum kritischen Arbeiten im Klassenunterricht“

Informationen zu bekommen ist leicht. So zumindest scheint es, wenn wir tagtäglich mit Informationen, Fakten, Hintergründen … in den verschiedenen Medien überflutet werden. Doch diese wahrzunehmen, reicht nicht. Gerade wenn es um die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln geht, müssen wir kritisch hinter diese Angebote blicken, einen zweiten, dritten – kritischen – Blick wagen.
Die Datei „Wasserkrieg beim Obst- und Gemüseanbau“ beschreibt exemplarisch eine Unterrichtssequenz.

9. Klasse

Am Willstätter-Gymnasium führen alle SchülerInnen der HoriZONTec-Modellklassen im Biologie- bzw. Chemieunterricht der neunten Jahrgangsstufe Expertenunterricht zu NutriVISIONs-Themen in einer Unterrichtsstunde oder Schülerübung durch. Der Unterricht wird jeweils von Zweier- oder Dreiergruppen gehalten. Zu ihrem Expertenthema erstellen die Teams zusätzlich ein kurzes Erklärvideo.
Das Dokument „HoriZONTec-Expertenunterricht“ soll in erster Linie Tipps zur Durchführung geben, die sich bei der Erprobung im Projekt bewährt haben.
Auf wie viele verschiede, kreative Weisen die SchülerInnen ihr Wissen präsentieren, zeigen die Beispiele der kurzen, selbst erstellten Videosequenzen.

10. Klasse

Der Schwerpunkt in dieser Jahrgangsstufe liegt auf der fächerverschränkten Arbeitsweise in Biologie, Chemie und Geographie.
Diese erfolgt in zwei Modulen:
• Kreatives Arbeiten an einem gemeinsamen Klassenprojekt
• SOFA-Methode
Im ersten Modul wird der Fokus auf die Möglichkeiten zur Sicherstellung der Welternährung im Jahr 2050 ausgerichtet. Die Schüler müssen aktuelle Entwicklungen (Fleisch aus der Petrischale, Vertical farming, Insekten als wertvolle Eiweißquelle etc.) inhaltlich aufbereiten und daraufhin eine begründete Entscheidung treffen, ob diese zu unserer zukünftigen Versorgung einen relevanten Beitrag leisten können.
Im zweiten Modul beschäftigen sich die Schüler im Rahmen einer weiterentwickelten Stationenarbeit mit den Naturräumen Nordamerika und Europa. Dabei erkennen sie zum Beispiel die Bedeutung von Ökosystemen (Meer, Maisfeld) für unsere tägliche Ernährung, sind in der Lage den Wettstreit um eine landwirtschaftliche oder energiewirtschaftliche Nutzung von Anbauflächen zu bewerten und begreifen den chemischen Bau und die Bedeutung von verschiedenen Inhaltsstoffen in unseren Lebensmitteln.

Modul „Recherche zur Welternährung 2050“

Heuschrecken?, Functional Food?, Designerfood?, Gentechnik?: Zu dem vorgegebenen zukunftsorientierten Thema „Deutschland sucht das perfekte Dinner im Jahr 2050“ entwickeln die Schülerinnen und Schüler für sie interessante Fragestellungen aus den Fachbereichen Biologie, Geographie oder Chemie. Auf der Grundlage dieser selbstgewählten Recherchethemen suchen sie geeignete und aufschlussreiche Informationen im Internet, bewerten diese Materialien kriterienorientiert und kritisch. Zum Abschluss werden die Rechercheergebnisse mit Hilfe einer PC-gestützten Präsentation sowohl im Klassenverband als auch beim Schülerkongress vorgestellt.

ModulL „Kreatives Arbeiten – Film und Tischinstallation zum perfekten Dinner 2050“

Auf der Grundlage der Recherchearbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen Plan für die kreative Umsetzung ihrer Recherchethemen. Es kristallisieren sich Projektideen heraus, die als Ergebnisse auf dem alljährlichen Schülerkongress ihres Gymnasiums präsentiert werden können. Im vorliegenden Dokument wird sowohl ein Filmprojekt als auch eine Kunstinstallation zum Thema „Dinner 2050“ beschrieben.

Modul „SOFA*-Methode – Nordamerika und wir“ (*Stationenbasiertes, offenes, fächerverschränktes Arbeiten)

Eine Besonderheit dieses Moduls stellt die Wahl des gemeinsamen Oberthemas „Nordamerika und wir“ dar. In den einzelnen Stationen werden die Lehrplaninhalte in ungewöhnliche Kontexte gestellt: Kunststoffe, Ester, Kohlenhydrate werden u.a. am Beispiel des Kaugummis Big Red® erarbeitet, die Entstehung von Wirbelstürmen wird in Beziehung gesetzt mit eine Abschwächung ihrer verheerenden Wirkung durch die Bewahrung des Ökosystems Seegraswiesen. Dieses wiederum wird dem Ökosystem Meer zugeordnet und seiner Bedeutung als Nahrungsmittellieferant. Mais wird in seiner Relevanz als Nahrungsmittel, aber auch als Energiepflanze beleuchtet, sein Anbau wird dargestellt, ebenso wie die Frage, unter welcher Voraussetzung Mais ein Popcorn ist.

Indem die Schüler sich sehr häufig des Internets und ihres Schulbuchs bedienen, kann auf eine Materialschlacht wie bei anderen Stationenarbeiten weitestgehend verzichtet werden.

Schülerkongress

Beim Willstätter-Schülerkongress präsentieren alle Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse von Forschungsarbeiten und Klassenprojekten, die während des Schuljahres entstanden sind. Das Publikum besteht aus allen Schülerinnen und Schülern der beteiligten Klassen und deren Eltern, aus Kolleginnen und Kollegen und wahlweise aus weiteren geladenen Gästen.

Die Präsentationsformen reichen von Vorträgen über Ausstellungen bis hin zu Installationen oder Filmen. Das vorliegende Dokument ist ein Erfahrungsbericht nach der zweiten Durchführung eines solchen Kongresses mit Anregungen und praktischen Tipps.

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